„Kampf der Titanen“ oder: „Europa der Strohmann“

„Kampf der Titanen“ oder: „Europa der Strohmann“?

© mizztroublemaker – Februar 2012

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Es liegt eine turbulente Zeit hinter uns und es scheint, als wolle das Jahr 2012 einen ähnlichen Weg einschlagen.
Die Welt rebellierte mit Naturkatastrophen – und gewann.
Fukushima wird uns noch lange daran erinnern und immer wieder unterstreichen, dass die Menschheit nicht unfehlbar ist.
Dennoch schürte diese Katastrophe geradezu ein „Lauffeuer der Atomgegner“ und zwang sogar Frau Bundeskanzlerin in die Knie, mit dem Erfolg der Abschaltung unserer Atomkraftwerke bis spätestens 2022.
Kaum rollte der Castor-Transport erneut durch Deutschland, ketteten sich seine Kontrahenten auch schon wieder an Schienen, Bäume, Schranken, belagerten Gleise, protestierten vehement und kosteten den Staat letztlich Unmengen an Geld für Polizeieinsätze.
Anwohner werden plötzlich laut, gehen auf die Straßen und wehren sich gegen den anrollenden Atommüll und der Rest des Landes sitzt solidarisch vor dem Fernseher und bekräftigt zumindest mental das Geschehen – ein aufregendes Ereignis im sonst so „benommenen“ Deutschland.
Dass die eigentliche Bedrohung jedoch etwas ganz anderes ist, hat die Mehrheit scheinbar gar nicht erkannt.
Atomkraftwerken entzieht man die Betriebserlaubnis und an anderer Stelle fördert man eine neue nukleare Bedrohung: Den größten Stützpunkt der US Air Force in Europa und gleichzeitige NATO Kommandobehörde im Rheinland-Pfälzischen Ramstein.


Vor einigen Tagen wurde am Rande eines NATO-Treffens durch Verteidigungsminister de Maizière beschlossen, dass das Kommando der geplanten NATO-Raketenabwehr nach Deutschland gelegt wird – völlig unbeeindruckt von der Ablehnung Russlands bezüglich eines US-Alleingangs und scheinbar auch absolut desinteressiert an der Tatsache, dass der russische Präsident Medvedev schon vor Wochen vom Atom-Abrüstungsabkommen START zurückgetreten war, um so seine Meinung zu verdeutlichen.
Russland befürchtet, dass der Raketenabwehrschild gegen die Föderation gerichtet werden könnte und plädierte für ein gemeinsames System, was die USA jedoch schlichtweg ignorierten, um scheinbar nun auch völlig unbeherrscht weiter ihren Plan durchzuziehen – und niemand in Deutschland wehrt sich.
Laut („hilarious“) Clinton dient dieser Schild dazu, Europa vor möglichen Bedrohungen aus dem Nahen Osten, besonders dem Iran, zu schützen – dass Russland allerdings bewiesenermaßen über Atomsprengköpfe verfügt (im Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, herausgegeben im November 2011, fanden sich keine Belege über ein iranisches Atomwaffenprojekt) bleibt einfach außer Acht gelassen und zumindest das Risiko eines erneuten Entfachens des Kalten Krieges nimmt man bedenkenlos in Kauf.

Wo sind nun all die deutschen Atomgegner plötzlich?
Und vor allem: Ist dies nicht eine Entscheidung, wobei dem Volk – das doch augenscheinlich in einer Demokratie lebt – ein Mitspracherecht eingeräumt werden sollte?
Beobachtet man unsere Medienlandschaft etwas genauer, so wird schnell deutlich wohin der Trend geht: Iran ist böse. Iran hat Atomwaffen. Iran bedeutet Bedrohung.

Doch wer genau hat eigentlich festgelegt, dass der Iran uns bedroht und wieso müssen wir uns mit einem NATO-inszenierten Raketenabwehrschirm vor möglichen Bedrohungen schützen, wenn wir gar nicht bedroht werden?
Russland jedenfalls ist „not amused“ und Präsident Medvedev drohte bereits vor einigen Wochen damit, dass er selbst ebenfalls Raketen in Kaliningrad errichten werde, sollten die USA einen Alleingang ohne Berücksichtigung der russischen Föderation tatsächlich durchsetzen.
So manövriert man uns (Deutschland) also in eine Art „Kalten Krieg“ hinein, mit dem wir eigentlich nichtmal etwas zu tun haben.

Der ewige „Machtkampf“ zwischen den Weltmächten breitet sich durchs Hintertürchen auch in der gelobten Europapolitik aus und dank unserer Amerika-freundlichen Regierung kann dies auch ganz ohne Probleme von statten gehen.
Wer bei Google beispielsweise „Raketenabwehrschild Europa“ eingibt, wird schnell zu Berichten gelangen, in denen immer wieder die Rede davon ist, dass auch „deutsche Patriot-Raketen“ zum Einsatz kommen könnten.
Ich frage mich, ob diese Aussage einen Grund darstellen soll, um sich damit zu identifizieren?
Was spielen „deutsche Patriot-Raketen“ für eine Rolle, sollte der Iran tatsächlich einen Angriff planen, oder Russland tatsächlich seine Drohungen bewahrheiten?
Es liegt eigentlich auf der Hand, dass nicht Deutschland im Konflikt zum Nahen Osten und auch nicht zu Russland steht, sondern ganz andere Akteure diesen (noch) „Scheinkrieg“ führen.

Während der Münchener Sicherheitskonferenz äußerte sich der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière bei der Eröffnungsrede mit folgenden Worten: „Nicht zuletzt durch die verstärkte strategische Ausrichtung der Amerikaner in Richtung Pazifik wird Europa künftig stärker für die eigene Sicherheit sorgen und sorgen müssen.“
„Madame Clinton“ bekräftigte das ganze mit den Ausführungen: „Europa bleibt der Sicherheitspartner unserer Wahl für Militäreinsätze und Diplomatie in aller Welt.“ und „sicherte“ uns damit eine dauerhafte, strategische Partnerschaft zu.


Hinsichtlich des von Barack Obama geplanten Truppenabzugs aus Europa, sagte der US Verteidigungsminister Leon Panetta während der Sicherheitskonferenz, dass Washington weiterhin eine „robuste“ Militärpräsenz in Europa erhalten werde, welche größer sei, als an jedem anderen Ort der Welt – forderte aber dennoch von den europäischen Staaten mehr Investitionen in ihre Streitkräfte.
NATO Generalsekretär Rasmussen versuchte „auf verlorenem Posten“, eine engere Zusammenarbeit mit Russland nahe zu legen und der russische Außenminister Lavrov vor einem „Keil zwischen Russland und dem Westen“ warnte, wurde dies scheinbar wieder einmal ausser Acht gelassen und de Maizière erwähnte einige Zeit später am Rande der Konferenz, dass man vermutlich erst nach den russischen Präsidentschaftswahlen zu einem Fortschritt in diesem Konflikt gelangen werde.

Während also Deutschland und somit auch Europa von der „Sicherheitspolitik made by USA“ eingewickelt werden und unsere Politiker sich mit dem möglichen Einsatz der Patriot-Raketen rühmen, ist noch immer nicht wirklich deutlich geworden, wer nun eigentlich wen genau bedroht und wieso wir, also Deutschland, so sehr daran beteiligt sind.

„USrael“ hat nicht umsonst seine Bedeutung gefunden und dass diese zwei Staaten miteinander konform gehen, haben – aller Wahrscheinlichkeit nach – nicht nur arabische Länder seit langer Zeit realisiert.
Doch werfen wir einmal einen Blick auf aktuelle Ereignisse, stellen wir fest, dass Israel derzeit einen möglichen Alleingang im „Kampfe gegen den Iran“ nicht ausschliesst.
So ist bereits die Rede davon, dass Israel noch Anfang diesen Jahres, genauer gesagt im April/Mai, einen Angriff auf den Iran vorsieht, sollten die auferlegten Sanktionen keine Wirkung zeigen.


Israel verweigerte sogar – laut Spezialisten des US-Außenministeriums – vorab eine Benachrichtigung an die Verbündeten, wann und wie der Angriff durchgeführt werde.
Spekulationen über die mögliche Zahl der Toten im Falle eines Vergeltungsschlags werden bereits in den Medien verbreitet und zivile Opfer sieht man dabei als „schlimm, aber aushaltbar“ an.
Man spricht von „ein bis zwei Straßenzügen“, die möglicherweise durch iranische Raketen zerstört werden könnten, sollten sie am israelischen Abwehrsystem vorbeikommen.

Um auf den Punkt zu kommen: Israel erklärt praktisch offen den Krieg, zivile Opfer werden zur Nebensache und es wird eindeutig festgelegt, dass man notfalls auch einen Alleingang durchführt und somit „die Verbündeten“ ebenso als nebensächlich betrachtet.
Derart egoistische Handlungen sollten nun auch bei dem letzten, denkenden Menschen Zweifel hervorrufen, denn durch offene Kriegserklärungen, Verharmlosen von zivilen Opfern und Desinteresse an Verbündeten wird nicht nur die UN Charta (erneut) hinfällig, sondern lässt auch „verurteilte“ Staatsmänner wie Muammar Al Qaddafi und Hosni Mubarak in einem anderen Licht erscheinen.
Selbst wenn Qaddafi, oder auch aktuell Al-Assad, sich in irgendeiner Weise öffentlich derartigen Kommentaren bedient hätten, wäre z.B. Libyen trotzdem kein NATO-Angriff erspart geblieben.
Israel hingegen scheint Narrenfreiheit in jeder Hinsicht zu genießen und wird trotz allem noch unterstützt.

„Europäische Sicherheitspolitik“ bedeutet scheinbar NATO-Sicherheitspolitik und somit auch die Garantie der Umsetzung von amerikanischen Interessen im europäischen Raum.
Israel fühlt sich vom Iran bedroht und will Krieg, Uncle Sam kann sich nicht von Israel lösen und unterliegt somit dem selben Druck. Russland fühlt sich außen vor und für Europa zählt – dank Errichtung des NATO-Abwehrschildes – : mitgehangen, mitgefangen.

Quellen:
http://www.taz.de/Debatte-Iran-und-Israel/!86884/

http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Nachrichten/4268473-2/usa-f%C3%BCrchten-angriff-israels-gegen-den-iran.csp

http://www.n-tv.de/politik/Peking-bleibt-auf-Distanz-article5398631.html

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Ein Gedanke zu „„Kampf der Titanen“ oder: „Europa der Strohmann“

  1. Wo sind bloß die alten Werte hin, die einst mal hier galten? Wie blind sind wir eigentlich geworden, dass wir sowas zulassen und einen NATO-inszenierten Raketenabwehrschirm bauen lassen? Ohne uns, also die deutschen Bürger überhaupt gefragt zu haben, ob wir das auch wollen! Oder uns in „Kriege“ mitziehen zu lassen, mit denen wir teilweise gar nichts zu tun haben. Drum wach endlich mal auf Deutschland!

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