Muammar Al Qaddafi

Muammar Al Qaddafi – ein realistischer Visionär

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© 2011, mizztroublemaker.wordpress.com

Muammar Al Qaddafi wird wohl noch lange bei so einigen in Erinnerung bleiben. Die Mehrheit assoziiert mit seinem Namen allerdings einen grausamen Diktator, der mitunter durch westliche Unterstützung, gestürzt und exekutiert wurde.

Im Folgenden möchte ich meine Ansichten bezüglich des Grünen Buches, der Grünen Charta und auch den Visionen, bzw. Gedanken zu Muammar Al Qaddafi als Staatsoberhaupt, Revolutionsführer und vor allem als Mensch skizzieren.

Libyen hat in den letzten Monaten eine schwere Zeit durchlebt. Staat, Nation und Gesellschaft sind zerrüttet, die Infrastruktur verwüstet und das alte Regime wurde eliminiert – ohne Rücksicht auf Verluste.

Hinsichtlich des „Arabischen Frühlings“ hat es die Libyer wohl am schlimmsten getroffen, was letztlich auch der Grund für meine diversen Recherchen dem Land und seinem ehemaligen Staatsoberhaupt gegenüber ist.

Ein Aufenthalt in Kairo, im Februar 2011, lenkte das erste Mal meine Aufmerksamkeit auf Libyen. Während ich in Deutschland zuvor nicht viel von libyschen Revolutionsbewegungen mitbekommen hatte und mein Fokus auf Ägypten gerichtet war, erreichten mich dort das erste Mal Bilder im ägyptischen Staatsfernsehen über den „exzentrischen“ Muammar Al Qaddafi, der winkend in einem „Tuk Tuk“ saß, wie immer recht extravagant gekleidet war und einen Sonnenschirm über sich aufgespannt in der Hand hielt.

Zu dieser Zeit hat wohl noch niemand mit einem derart schrecklichen Ende gerechnet – weder für ihn, noch für Libyen.

Muammar Al Qaddafi – ein in der Wüste geborener Beduine und ein in der Wüste begrabener Diktator.

Er kam 1942 als Erstgeborener in einem Beduinen-Zelt zur Welt und durchlebte seine Kindheit im Schutze und behütet von seiner Stammesfamilie – geprägt durch islamische Traditionen, Werte und Sufische Weisheiten. Muammar Al Qaddafi war ein Kind der Wüste, er glaubte an ein Paradies und an die Hölle und hat seine Identität als ein Teil von Afrika nie verleugnet.

Er war Zeitzeuge des westlichen Kolonialismus während des zweiten Weltkrieges und der damit in der Dritten Welt einbrechenden Gewalt, was nicht zuletzt seine Revolutionsgedanken begünstigte.

Muammar Al Qaddafi entschied sich für eine Militärlaufbahn und verbrachte davon sieben Jahre mit einer Offiziersausbildung in Großbritannien. Seine Vorbilder wie Gamal Abd Al Nasr beeinflussten ihn maßgeblich und schon früh begann er sich mit politischen Diskussionen und Gedanken auseinanderzusetzen.

Als er nach Libyen zurückkehrte und dort zur Armee ging, eignete er sich ein großes Wissen durch das Lesen von diversen Büchern an. Er erkannte die expansionistischen Interessen der USA und sympathisierte mit den aus der UdSSR hervorgegangenen Prinzipien des Sozialismus.

Schon während seiner Jugend beschäftigte ihn der Gedanke, dass der Zionismus die eigentliche Bedrohung des Mittleren Ostens war und die USA sich samt ihrer Politik danach richteten.

Qaddafi verurteilte nicht das amerikanische Volk, welches letztlich selbst unter seiner Regierung litt und betrachtete die Vereinigten Staaten auch nicht als „von Natur aus“ böse, viel mehr war er der Auffassung, dass sie bedingt durch das historische Stadium schlichtweg konditioniert waren.

Sein starkes Interesse an Politik bekräftigte ihn bei dem Gedanken, dass Libyen nicht in die Hände der westlichen Expansion fallen durfte und so machte er es sich zum Ziel, dies mit Hilfe des Grünen Buches und der libyschen Revolution in die Welt zu tragen.

Muammar Al Qaddafi war es, der aus einer vorherrschenden Monarchie und Stammesstruktur einen revolutionären Staat mit offiziellen, internationalen Verbindungen zu anderen Ländern und Kontinenten schuf. Durch große Reformen gelang es ihm, Libyen neu zu ordnen und die vorherrschende Arbeitslosigkeit zu verringern, sowie Obdachlosigkeit und Ausbeutung der Menschen abzuschaffen.

Er brachte das Konzept der Volksversammlungen und Revolutionskomitees ein und etablierte letztlich sein Grünes Buch und die Grüne Charta fest im libyschen System.

Muammar Al Qaddafi war einer der wenigen muslimischen Staatsoberhäupter, der öffentlich die fundamentalistischen Muslimbewegungen zurückwies und sich auf Westafrika konzentrierte, anstatt sich Ländern wie Saudi-Arabien oder auch der Al-Qaida anzuschliessen.

Trotzdem blieb er dem Koran treu, hielt an seinen Werten und Traditionen fest und verstand die Essenz des Islams – welche er, im Gegensatz zu den Taliban, allerdings gemäß des Zeitalters interpretierte.

Qaddafi lernte mit und von der Zeit und versuchte, seine religiösen Werte und Traditionen daran anzupassen.

Letztlich ging es ihm aber immer in erster Linie um die Befreiung der Dritten Welt und um den Traum von einer „Afrikanischen Union“, den er u.a. durch ein riesiges Wasserprojekt untermauerte.

Bereits Nelson Mandela bezeichnete Muammar Al Qaddafi als „eine der großen Revolutionslegenden unserer Zeit“ und betrachtet man einmal Qaddafi’s „Vision von einem vereinten afrikanischen Kontinent“ hinsichtlich seiner Biographie, so vermag man zu erkennen, wieso er letztlich dem Westen gegenüber einlenkte und einen neuen Kurs einschlug.

Muammar Al Qaddafi wird heute vorgeworfen, Verbrechen gegen die Menschheit verübt zu haben.

Dies erscheint skurril, bedenkt man den „Qaddafi Menschenrechtspreis“, der beträchtliche Summen, unter anderem an die Kinder und das Volk Bosniens, die Amerikanischen Indianer oder an das Internationale Zentrum zur Bekämpfung von AIDS in Afrika, fliessen ließ.

Eben so widersprüchlich erscheint es einem, wenn man seine Auffassung betrachtet, dass eine Kultivierung der Wüste und somit eine Veredelung der Welt und ihrer Natur vorrangiger und besser zu werten sei, als die Vernichtung der Menschen durch einen Rüstungswettkampf zu begünstigen.

Seine Worte ließ er durch Taten sprechen, indem er beispielsweise sein großes Bewässerungsprojekt zur Unabhängigkeit Libyens durchsetzte und darauf hinarbeitete, dass irgendwann ganz Afrika mit dem selben Wassernetzwerk verbunden werden könnte.

In Libyen verdoppelte er die Anzahl von Instituten, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen, erweckte mobile Fertighaus-Schulen zum Leben, um allen Kindern die Möglichkeit des Erlernens von Lesen, Schreiben und Rechnen bieten zu können.

Muammar Al Qaddafi befürwortete weiterhin wissenschaftliche Studien, um der westlichen Technologie folgen zu können.

Wirtschaftlich förderte er die libysche Stahlindustrie, chemische und petrochemische Fabriken, sowie die Ölindustrie und liess somit entgegen der aktuellen, scheinbar allgemeingültigen Meinung, Millionen in sein Land fliessen.

Muammar Al Qaddafi lag sehr viel daran zu beweisen, dass Libyen den Weg aus der „Unterentwicklung“ gefunden hatte und sich einen Platz im internationalen Kreise der Welt sichern konnte.

Er wünschte sich eine Art von „gemeinsamer Sprache der Welt“, um sich über beispielsweise medizinische Versorgung besser austauschen zu können, um AIDS und Armut gemeinsam zu bekämpfen und der Hungersnot international entgegen wirken zu können.

Qaddafi galt als Exzentriker. Westliche Regierungen betrachteten ihn mit Skepsis und teilweisem Unverständnis. Weil man ihn nur schlecht einschätzen konnte, war er ihnen nicht geheuer und so schenkte man ihm auch kaum Beachtung, als er seine Kritik an der „allgemeingültigen“ Aussage, dass ein Muslim auch gleich ein Terrorist ist, öffentlich machte.

Während die USA den Krieg gegen den Terrorismus ausrief, bekräftigte Muammar Al Qaddafi, dass der Koran den Selbstmord nicht als Tötungsinstrument vorgibt und es eine Sondersitzung der UN hinsichtlich einer weltweiten Verständigung zu „Terrorismus“ geben sollte, wobei man gemeinsam der Gefahr entgegenwirken könnte. Dieses Anliegen wurde von anderen Staaten jedoch nicht aufgegriffen und fand deshalb auch nie statt – vermutlich nicht zuletzt wegen Qaddafi’s Äußerungen bezüglich bin Laden’s Verbindungen zu Ländern wie den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, sowie auch Saudi-Arabien und Afghanistan, welche scheinbar den selbsternannten „Terrorismus“ finanziell unterstützten.

Ungefähr ab dem Jahr 2000 schlug Qaddafi eine neue Richtung ein. Er wollte der restlichen Welt beweisen, dass Libyen kein „Schurkenstaat“ mehr war und ebenfalls der westlichen Auffassung von „Islam = Terrorismus“ entgegen wirken.

Er kündigte den Abbau seines Rüstungsprogrammes an und versuchte so einen Gegenpol zum islamischen Fundamentalismus darzustellen.

Dies führte jedoch unter anderem auch zu einer Steigerung der Geheimdienstaktivitäten, vor allem seitens Großbritanniens und den USA in Libyen – welche man hinsichtlich des Verlaufs von aktuellem Bürgerkrieg und dem NATO-Einsatz nicht aus den Augen verlieren sollte.

In 2003 kündigte Muammar Al Qaddafi die endgültige Abschaffung seines Waffenprogrammes an und kam dem Westen erneut ein großes Stück entgegen.

Derartige Wandlungen des ehemaligen libyschen Staatsoberhauptes sollte man auch als Wandel seiner selbst betrachten.

Muammar Al Qaddafi hatte realisiert, dass Libyen nur in Verbindung mit dem Westen die nötige Anerkennung finden konnte und handelte deshalb im Interesse seines Landes.

Er ging mit der Zeit und war sich den Risiken eines „Alleingangs“ durchaus bewusst, weshalb er letztlich diese Richtung einschlug.

Muammar Al Qaddafi verlor nie den Bezug zur Realität und war sich darüber im Klaren, dass „die Welt durch Ideen regiert“ wird – aus diesem Grund entwickelte sich auch das Grüne Buch weiter und wurde von ihm zeitgemäß interpretiert.

Qaddafi träumte davon, die „Alte Welt“ zu zerstören und den Menschen ihre Stimme wiederzugeben – von Kindesbeinen an und geprägt durch eine bewegende Biographie.

Am 1. September 1969 übernahm Muammar Al Qaddafi das „Ruder“ in Libyen. Zeitgleich rief er die Ideen seines Grünen Buches aus.

Immer wieder verdeutlichte er seine Ansichten – national und international – bezüglich Demokratie, Wirtschaft und Sozialwesen.

Die Stellung der Frau in der Gesellschaft fand bei Muammar Al Qaddafi besondere Beachtung, da er der Meinung war, dass sie durch vorherrschenden Materialismus in eine Rolle gedrängt wurde, welche die Natur nicht für sie vorgesehen hatte.

Er kritisierte den Umgang von und mit Frauen vor allem im Osten und mahnte, dass man sie nicht einfach wie Vieh oder Möbel austauschen und verkaufen dürfe.

Die Übernahme der Frauen von Männerarbeit in Stahlwerken und Munitionsfabriken war für ihn unverständlich und ließ ihn daraus einen „Zwang der ausbeuterischen Gesellschaft“ ableiten, welcher die Frauen ihrer natürlichen Aufgaben beraubte und somit zu einem Auseinanderbrechen der Familienstrukturen führte. Dies nannte er die Wurzel der Krise bestimmter Industriegesellschaften.

Muammar Al Qaddafi berief sich in seinem Grünen Buch mehrmals auf die Gesetze der Natur, welche seiner Meinung nach keine Opposition zulassen und somit absolut und allgemeingültig sind. Er befürwortete eine „Zurückführung“ der Gesellschaft zu ihrem Ursprung – nicht jedoch wie der islamische Fundamentalismus, welcher sich ebenfalls auf ursprüngliche, religiöse Werte und Traditionen konzentriert.

Muammar Al Qaddafi versuchte immer die Religion dem Zeitalter anzupassen und berief sich dabei auf die Quelle aller menschlichen Beziehungen: Den Naturgesetzen.

Klassensysteme, Regierungen und positivistische Gesetze wirkten dieser Vorstellung entgegen und so sollte das Grüne Buch einen Weg zur Befreiung der Bedürfnisse und somit auch zur Befreiung des Menschen weisen.

Qaddafi, der schon als Kind gnadenlos einer Konfrontation zwischen friedlichem Beduinendasein und gewalttätiger westlicher Expansion ausgesetzt wurde, forderte ein System, dass nicht auf „Versklavung des Menschen“ basierte, sondern in dem Arbeiter zu Partnern wurden, man Frauen mit Würde, Anerkennung und Rücksichtnahme behandelte und eine soziale Sicherungsstruktur errichtet wurde, die sich auch den Alten und Behinderten annahm.

Eine Nation, so Qaddafi, setzt sich aus einer Konformität von der Familie als Basis und neuen gesellschaftlichen Beziehungen zusammen.

In der Jamahiriya, der Herrschaft der Massen, ist eine Armee unnötig und das Volk übernimmt die Verteidigung des Landes.

Durch die Abschaffung einer bezahlten Armee wird es nach Muammar Al Qaddafi keine Kriege mehr geben, keine Militärregime mehr etablieren und es wird zur Pflicht eines jeden Bürgers, egal ob Mann oder Frau, den Schutz ihres Vaterlandes selbst in die Hand zu nehmen.

Betrachtet man die Ansichten Qaddafis hinsichtlich aktuellen Situationen, so muss man ihm doch Recht geben, als er bereits damals festhielt, dass ein Staat, welcher viele Nationen beinhaltet, gleichzeitig auch ein höheres Konfliktpotential bezüglich der unterschiedlichen Gruppierungen aufweist.

Muammar Al Qaddafi gab als Beispiele dafür die Konflikte zwischen Persern und Arabern, sowie Arabern und Türken an und äußerte sich 1983 diesbezüglich während einer wissenschaftlichen Konferenz zu Problemen der Demokratie und Auswirkungen des Sozialismus auf die Wirtschaft, mit folgenden Worten:

Die Landkarte der Welt hat sich oft geändert, aber sie wurde immer von den Nationen beherrscht. Nehmen wir das Beispiel der Perser und Araber: diese Gemeinschaften formten einen einzigen Staat im Namen des Islam, aber wegen des Antagonismus zwischen den beiden Nationen, die am Ende ihre getrennten Wege gingen, zerfiel dieser Staat. Anschließend bildeten die Türken und Araber einen gemeinsamen Staat, wieder im Namen des Islam. Aber dieser Staat machte sehr schnell den Weg für zwei voneinander verschiedene Nationen frei: die arabische und die türkische Nation.“

Muammar Al Qaddafi war praktisch Zeit seines Lebens ein Patriot, der seine Ziele von der Befreiung Libyens bis zur Unabhängigkeit des afrikanischen Kontinents ausweitete und immerwährend versuchte, dem Zeitalter gerecht zu werden.

Er galt als Staatsoberhaupt, beanspruchte jedoch offiziell nie eine bestimmte Position und war von 1969 bis 2011 ein „Revolutionsführer“.

1977 kam es in Sebha, Libyen zur Deklaration der Volksautorität, welche die Stellung von Muammar Al Qaddafi wie folgt darstellt: „ […] glaubend an das, was von der großen FATEH-Revolution erklärt worden ist, die von dem revolutionären Denker und Führer Oberst MUAMMAR AL-GADDAFI geleitet wurde, an der Spitze der freien unionistischen Offiziersbewegungen stehend […]“ und weiterhin: „ […] betont und hebt hervor den Marsch der Revolution unter der Führung des Führers und Meisters MUAMMAR AL-GADDAFI zur vollen Volkssouveränität und zur Stabilisierung der Gesellschaft des souveränen Volkes, das die Autorität, die Ressourcen und die Waffen besitzt […]“.

Die Deklaration wurde am 2. März 1977 in Kairo verabschiedet und beinhaltete den offiziellen Namen Libyens, nämlich: „Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Jamahiriya“, die Grundlage des Rechts der Gesellschaft, nämlich: „Den heiligen Koran“, die Grundlage des politischen Systems, nämlich: „Die direkte Autorität des Volkes“. Sie besagte weiterhin, dass die Verteidigung des Landes in der Verantwortung jedes einzelnen Bürgers und jeder einzelnen Bürgerin liegt und durch eine allgemeine militärische Ausbildung gewährleistet wird.

Die Deklaration setzte fest, dass das Volk ausgebildet und bewaffnet und das Gesetz durch die Offiziersausbildung und allgemeine militärische Ausbildung geregelt wird.

1988 kam es dann in Libyen zur Veröffentlichung der „Großen Grünen Charta der Menschenrechte“, welche im übertragenen Sinne die staatliche Ordnung darstellte und andere Menschenrechtstexte ausbaute.

Wie auch das Grünen Buch verdeutlicht die Grüne Charta vor allem, dass die Macht beim Volke liegt und es keinerlei Unterscheidungen zwischen Regierenden und Regierten geben darf. Sklaverei ist verboten und das Land ist niemandes Besitz. Es darf keine Vorherrschaft zwischen den Menschen geben, in etwa so, als dass jedem das Haus gehört, in welchem er lebt, jedoch kein weiteres angeeignet werden darf, was eventuell vermietet werden könnte.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Charta besagt, dass jedes Mitglied der jamahiriyanischen Gesellschaft das Recht auf eine freie Wahl des Wohnsitzes und in Friedenszeiten auch auf absolute Reisefreiheit hat.

Die Grüne Charta fordert die Abschaffung von jeder Gewalt, die zur Zerstörung und Vernichtung der Welt beitragen könnte – im weiteren Sinne auch das Verbot von atomaren Massenvernichtungswaffen, oder Waffenhandel im allgemeinen Sinne.

Die Todesstrafe darf nur durchgesetzt werden, sofern von dem Angeklagten eine reale Gefahr für die Gesellschaft ausgeht, ansonsten ist das menschliche Leben heilig.

Weiterhin soll es keine geheimen Aktivitäten geben, ohne Einbezug des Volkes und Terrorismus und Sabotage müssen verhindert werden.

Die Grüne Charta regelt so gesehen das libysche System der Gesellschaft der Jamahiriya. Sie garantiert jedem Bürger ein Recht auf Arbeit, Eigentum und den sozialen Schutz von Alten, Müttern, Kindern und Behinderten.

(Meinungs-) Freiheit gehört zur obersten Priorität, ebenso Gleichheit zwischen Mann und Frau und weiterhin ruft sie dazu auf, den sinngemäßen Inhalt des Grünen Buches in die Welt zu tragen und alte, korrupte Regime aus ihren Ankern zu reissen.

In Anbetracht der Tatsache, dass Muammar Al Qaddafi sein Land liebte und weitaus mehr für Libyen bewirkte, als beispielsweise Hosny Mubarak in Ägypten, sollte man über vorschnelle Urteile und Bezeichnungen wie „grausamer Diktator“ eindeutig nachdenken und sich zunächst gründlich informieren.

Muammar Al Qaddafi wuchs in und mit Libyen auf und wer tief in sich hinein hört, wird zu dem Schluss kommen, dass ein zeitgemäßes Anpassen im Alter immer schwieriger wird.

Dennoch versuchte er sein Land vorwärts zu bringen und internationale Anerkennung zu erlangen. Er war sich durchaus bewußt, dass weder das Grüne Buch, noch die Grüne Charta praktisch genauso gut anzuwenden wären, wie theoretisch – auf lange Sicht gesehen berief er sich deshalb auf die „Regierung der Welt durch Ideen“ und wohl wissend, dass viele Entwicklungen erst Jahrhunderte nach dem Aufkeimen solcher Ideen stattgefunden hatten.

Muammar Al Qaddafi war selbst einmal ein junger Revolutionsführer, voller Energie und politischer Ideen. Man darf nicht vergessen, dass viele Anhänger der rebellischen Opposition, welche ihn letztlich ermordeten, seine Söhne hätten sein können und hinsichtlich Biographie und Weltverständnis längst nicht so viel Erfahrung haben.

Mich neutral zu diesem Thema zu äußern ist nicht unbedingt einfach, allerdings stelle ich die Behauptung auf, dass die junge libysche Bevölkerung sich gegen Muammar Al Qaddafi stellte, um zu verdeutlichen, dass es Zeit für einen Wandel war – Zeit für „frischen Wind“ in Libyen und Zeit für Taten statt großer Worte.

Ungeachtet der westlichen Geheimdienstaktivitäten und der unzähligen, unrechtmäßigen Interventionen von jeglicher internationaler Herkunft, gab es sicherlich auch Teilnehmer an den anfänglichen Protesten, welche durch vorhergegangene Revolutionen in Kairo und Tunis inspiriert worden waren und nicht grundsätzlich auf eine Exekution Qaddafi’s aus waren.

Beschäftigt man sich einmal näher mit Grünem Buch und Grüner Charta, so ließen sich beide Interessen damit verteidigen. Muammar Al Qaddafi versuchte die bewaffneten Unruhen niederzuschlagen, da sie die gesicherten Rechte der Jamahiriya gefährdeten und somit auch die Volksherrschaft. Seine Opposition hingegen versuchte ihn zum Rückzug zu zwingen, da er die Grundrechte der Menschen innerhalb der Jamahiriya nicht (mehr) sicherte, bzw. ihrer Auffassung nach missachtete.

Dennoch hätte sicher ein weniger grausames Szenario stattgefunden, wenn man Muammar Al Qaddafi, der 42 Jahre lang Erfahrung mit seinem Volk hatte, mehr Zeit gegeben hätte und sich nicht in die inneren Angelegenheiten Libyens eingemischt hätte.

Rückblickend auf Ägypten und Hosny Mubarak vertrete ich die Ansicht, dass das libysche Volk seine Probleme ebenso allein hätte lösen sollen – und zwar unbeeinflusst durch NATO-Flugverbotszonen und Hetzkampagnen, die dadurch erst richtig zum Leben erwachten.

Ben Ali flüchtete aus seinem Land, Hosny Mubarak weigerte sich und wurde letztlich inhaftiert und Muammar Al Qaddafi, der sein Leben lang ein Patriot war und selbst eine Revolution angeführt hatte, starb den grausamen Tod eines Märtyrers. Auch wenn sein letzter Wille missachtet wurde, konnten sie ihn nicht daran hindern „lieber zu sterben, als sein Land zu verlassen“.

Die grausame Art und Weise seiner Hinrichtung und das zur Schau stellen seiner Leiche zeigt mir, dass eben diese Menschen sich genauso wenig mit den Grundlagen der Rechte der Jamahiriya und der Achtung von internationalen Menschenrechten beschäftigt hatten, wie sie es Muammar Al Qaddafi selbst zum Vorwurf machten – es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass Muammar Al Qaddafi der Begründer der Jamahiriya ist!

Früher oder später wird seinen Mördern vermutlich bewußt werden, was sie getan haben und über kurz oder lang werden auch die anderen Gegner seines Grünen Systems begreifen, dass ein derartiger Bürgerkrieg nicht hätte sein müssen und dass man Muammar Al Qaddafi scheinbar zu schnell verurteilt hat.

Dieser Bürgerkrieg – unter der Flagge libyscher Rebellen, westlicher Öl-Interessenten und fundamentalistischen Anhängern des Islam – hat Libyen vermutlich weiter zurückgeworfen, als Qaddafi es damals vorfand.

Rassismus, Diskriminierung, Gewalt und Krieg sind präsenter denn je und es bleibt zu hoffen, dass man mit der menschenverachtenden Exekution von Muammar Al Qaddafi nicht auch seine Vorstellungen von Werten, Traditionen und vor allem von Freiheit und Unabhängigkeit Libyens hingerichtet hat.

Der Traum von Frieden, Einheit und wahrer Demokratie – konfrontiert mit der bitteren Realität von Krieg, Kapitalismus und Weltmachtstreben.

Mit Muammar Al Qaddafi’s Tod zerplatzte auch die Theorie der „verfälschten Demokratie des Westens“ und libysche Rebellen trugen letztlich mit dazu bei, eine neue Grundlage für internationale Konflikte zu errichten.

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© 2011, mizztroublemaker.wordpress.com

Literatur:

Al Qaddafi, M.: Das Grüne Buch. Hrsg.: Internationales Studien- und Forschungszentrum des Grünen Buches, Tripolis, Libyen (ohne Jahresangabe)

Jouve, E.: Muammar al-Gaddafi: Vision, belleville Verlag, München 2009

Deklaration der Volksautorität, Sebha, 1977

Die Grüne Charta, Baida, 1988

Internet:

http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Grüne_Buch

http://www.greencharter.com

http://www.reocities.com/Athens/8744/readgb.htm

Bilder:

http://www.welt.de/multimedia/archive/01321/voigt_gaddafi1_15__1321074s.jpg (Stand: 09.12.2011)

http://www.welt.de/multimedia/archive/00907/gaddafi_liest_DW_Po_907639p.jpg (Stand: 09.12.2011)

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c1/Nasser_Gaddafi_1969.jpg/220px-Nasser_Gaddafi_1969.jpg (Stand: 09.12.2011)

http://www.mz-web.de/ks/images/mdsBild/1318610503120l.jpg (Stand: 09.12.2011)

Ein Gedanke zu „Muammar Al Qaddafi

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