Ägypten

Ägypten – endlich frei, oder doch nur vom Regen in die Traufe?

Ein Querschnitt meiner Erlebnisse in Kairo 2011

 
 

Im Februar, kurz nach dem gelobten 25ten Januar war ich in Kairo – um meinen Freunden Beistand zu leisten, mir mein eigenes Bild machen zu können und vor allem um den elendigen Lügen der mir bekannten Medien zu entkommen.

Gelandet bin ich in Hurghada und kam mir dort vor wie in einer Geisterstadt.

Es fehlten nur noch diese kleinen, runden Wüstenpflanzen, die man zwischen Staub und Sand und Totenstille in alten Westernfilmen durch die Steppen rollen sieht.

Hurghada war wie leergefegt. Kein einziger Tourist mehr auf den Straßen und das, wo diese Stadt doch eigentlich von Urlaubern aus aller Welt lebt. Sämtliche, sonst im Tourismus tätig gewesenen, Arbeiter ohne Job. Große Hotels geschlossen. Der allgemeine Ärger über die Situation blieb kaum verborgen. Keine Touristen – kein Geld. Kein Geld – kein Leben.

Schnell kam da bei manchen der Gedanke auf, dass es unter dem Mubarak-Regime wohl doch besser gelaufen sei und wo denn der Sinn der ganzen Revolution wäre, wenn es statt besser nur viel schlimmer wurde.

Wen interessieren da schon die 450km entfernten, politischen Proteste in Kairo, wenn man kein Einkommen, keine Arbeit mehr hat, wenn Banken tagelang geschlossen sind, Lebensmittel nicht mehr geliefert werden und somit eine Knappheit droht und man nichtmal mehr auf sein Konto zugreifen kann, weil die Geldautomaten längst leer sind?

In einigen Cafés lief staatliches Fernsehen auf 24Stunden-Schaltung und hin und wieder entfachte mal kurz ein politisches Gespräch, doch meistens ging es schnell wieder um das eigentliche Thema: Wann hat diese Revolution endlich ein Ende, damit die Touristen wieder kommen und der Arbeitsplatz wieder gesichert ist? Damit die nächste Miete für die Wohnung nicht mehr im Raum steht und man der Familie in anderen Teilen Ägyptens wieder Geld schicken kann? … und: Wann hören die Proteste endlich auf, damit die Langeweile in Städten wie Hurghada ein Ende hat.

Bevor ich mich ins Flugzeug nach Kairo setzte, blieb ich noch einige Tage in Hurghada. Viel konnte man nicht machen, außer Tag für Tag mit Freunden in Cafés zu sitzen und Trübsal zu blasen.

Hinsichtlich des vorübergehenden Rückzugs der Polizei, war die Situation für mich als „Tourist“ schon etwas instabiler – trotzdem habe ich mich die ganze Zeit über nicht einmal unsicher in Hurghada gefühlt. Zwar lag eine allgemeine „Anarchie-Stimmung“ in der Luft und dem ein oder anderen Polizisten wurde dann schon mal der Mittelfinger gezeigt, wenn man daran vorbeifuhr/ging … aber durch die Militärpräsenz war immer noch ein gewisses Maß an „Stabilität“ gegeben und die Respektlosigkeit gegenüber der Polizei nicht ganz so ausgeprägt wie in Kairo.

Ausschreitungen gab es hier nicht und einen Grund, um mich vor Anschlägen etc. zu fürchten auch nicht.

Doch während in Hurghada nun eher eine Art „Desinteresse“ am ganzen Geschehen herrschte und es den meisten eigentlich egal war, ob mit oder ohne Mubarak – hauptsache mit Touristen – sah die Realität in Kairo schon anders aus.

Es sollte nach dem Sturz Mubaraks der Eindruck erweckt werden, dass nun alles rosig und neu wäre, dass Ägypten jetzt in einem wunderbaren Glanz erscheine und man fragte mich, ob ich „das neue Ägypten“ denn nicht schon an der Luft riechen würde – ab jetzt wäre ALLES anders.

Nun ja.

Zunächst mal sah ich Chaos auf den Strassen. Keine Polizei, die den Verkehr regelte und dementsprechend jede Menge wütender Autofahrer inklusive Unfällen und Streitigkeiten, Geschäfte geschlossen, Banken geschlossen, allgemeine Unzufriedenheit, nächtliche Schusswechsel auf den Strassen und besorgte Männer, die sich formatierten, um nachts ihre Häuser und Viertel zu bewachen. Abgebrannte Parteigebäude, rund um den Tahrir herum eingeschlagene Fensterscheiben, Panzer, die durch die Stadt rollten und ein enormes Aufgebot an Militärpräsenz. Es erinnerte ein wenig an Besatzung…

Ohne Polizei und Militär suchte man vergebens nach Recht und Ordnung. Das dürfte auch den Ägyptern in diesen Tagen bewusst geworden sein.

 
 

Die nächtliche Ausgangssperre riet man mir einzuhalten, da es in einigen Viertel immer noch zu Ausschreitungen, Überfällen und besagten Schusswechseln kam. Letzteres kam mir jede Nacht zu Ohren – allerdings kaum abzuschätzen, ob man nun einfach aus Spass, zur Provokation, oder wirklich mit vorsätzlichen Mordgedanken zum MG griff.

Interessant für mich waren vor allem aber die verschiedenen Meinungen und Standpunkte meiner Gesprächspartner..

Eine Klassifizierung möchte ich eigentlich vermeiden, dennoch kann ich aus diversen Gesprächen und Beobachtungen definitiv festhalten, dass die meisten Anhänger der Revolutionsbewegung aus der „unteren Schicht“ kamen. Zumindest was meine Bekannten und Freunde angeht.

All jene, die wenig Geld hatten, einen schlechten, oder gar keinen Job und keine qualifizierte Bildung genossen hatten, konnte man seit Beginn der Revolution Tag für Tag auf dem Tahrir stehen sehen, doch auf meine Frage, was genau nun nach Mubaraks Sturz passieren würde, gab es kaum andere Antworten als: „Alles ist besser als er.“, oder „Ab jetzt wird es nie mehr das Ägypten sein, was Du kennengelernt hast.“

Es ging sogar so weit, dass einige meiner Freunde fest davon überzeugt waren, dass das veruntreute Geld nun unter jedem ägyptischen Bürger gerecht aufgeteilt würde und jeder, aber auch wirklich jeder, einzelne alles tun und sagen darf, was auch immer er für richtig hält. Ich nenne es mal „Ägyptisches Demokratieverständnis der Unterschicht“. Umso größer war die Enttäuschung, als sich diese Wünsche nicht wirklich erfüllten..

 

Ich will mit meinen Eindrücken nicht sagen, das alles wäre nur eine Rebellion eines naiven und ungebildeten „Mobs“ gewesen –

denn die Forderung nach „Freiheit“, nach politischen Veränderungen, demokratische Wahlbeteiligung etc. setzt -für mich- immer auch ein gewisses Mass an Verständnis der Gesamtsituation voraus, allerdings um bestimmte Ziele durchzusetzen, reicht es nicht, wenn man nur eine kleine Gruppe darstellt.

Um etwas bewegen und verändern zu können, muss man eine Mehrheit hervorbringen, die gemeinsam etwas erreichen kann – und wie schafft man sich schneller und zahlreicher Anhänger, als dass man genau die wunden Punkte der (es ist nun mal so: meist ärmsten) unzufriedenen Menschen öffentlich anprangert und ihnen somit das Gefühl gibt, dass es besser werden kann, wenn sie sich der Gruppe anschliessen und zusammen für eine Veränderung eintreten.

Dieses Muster der „taktischen Mehrheitsgewinnung“ haben schon manch andere in der Geschichte erfolgreich angewendet.

Während die eigentlichen Drahtzieher der Revolution Meinungsfreiheit, politische Reformen und demokratische Wahlen forderten, waren es, meiner Meinung nach, mindestens genauso viele, die sich einfach nur aus einer Art „Gruppenzwang“ an den Protesten beteiligt haben und von der Vorstellung des „neuen, glanzvollen Ägypten“ geblendet wurden, ohne eigentlich genau zu wissen, wie die Forderungen im Detail aussahen.

Plötzlich konnte jeder für irgendetwas demonstrieren und nachdem man erfolgreich den bösen Diktator gestürzt hatte, war quasi alles möglich. Für jeden.

„Präsident Tahrir“ kann jede Entscheidung treffen. Wie oft hörte ich: „Wir haben jetzt einen neuen Präsidenten. Präsident Tahrir. Und Präsident Tahrir kann alles schaffen, wenn er will und alles durchsetzen, was er will.“

„Präsident Tahrir“ wurde auch nach Bildung der militärischen Übergangsregierung von vielen noch gern (Freitags) als großes Volksfest und Kirmes genutzt. Man war ja jetzt schließlich frei und konnte alles tun und sagen, was man will – denn „Präsident Tahrir“ macht alles möglich – „ägyptisches Demokratieverständnis der Unterschicht“.

An den Ampeln gab es nun keine Plastik-Quietsche-Tiere mehr ins Auto gereicht, sondern Aufkleber, Flaggen, Buttons in jeglicher Ausführung – hauptsache in ägyptischen Nationalfarben und irgendwo mit „25ter Januar“ („Tag des Zorns“) gekennzeichnet.

 

Ich kritisiere ganz bewusst den Umgang und die Verherrlichung der eigentlichen Revolution, nach Bildung der Übergangsregierung.

 

Aus vielen Gesprächen ließ sich schnell erkennen, wie sehr sich die Ägypter auf das Militär festgelegt hatten. Wie sehr sie all ihre Hoffnungen zu Veränderungen, Neuerungen und Freiheiten in die Armee setzten. „Die Soldaten sind unsere Brüder.“, „Die Armee muss im Sinne des Volkes handeln.“ … all das waren dafür wohl die Hauptargumente.

Bedenkt man jedoch, welch bedeutende Rolle Hosny Mubarak Zeit seines Lebens im Militär gespielt hatte [welches im übrigen nationale Identität, Unabhängigkeit und Stabilität als oberste Ziele verfolgt], kommen einem schnell Zweifel an der realen Loyalität der Armee – und auch wenn sie nur eine Übergangsregierung bilden, so sind sie doch massgeblich an der Weichenstellung für eine neue politische Struktur beteiligt.

 
 

Für mich persönlich war es ein besonderes Gefühl, so einen derartigen – für uns „Deutsche“ vermutlich schwer nachvollziehbaren – Zusammenhalt zu erleben.

Ein Volk aufstehen zu sehen und selbst mitzuerleben, zu was man ganze Nationen bewegen kann, indem man ihnen neue Hoffnung gibt. Junge Menschen mit hohen Zielsetzungen und starkem Durchhaltevermögen schafften es, auch den bereits resignierten Teil der Bevölkerung – sei es aus Mangel an Bildung oder auch einfach nur Desinteresse –  neu zu motivieren und rissen sie mit sich in den „Bann der Revolution“.

Es steht außer Frage, dass Hosny Mubarak schon viel zu lange im Amt war und definitiv „frischer Wind“ in die ägyptische Regierung gebracht werden musste.

Es steht außer Frage, dass man die Armut im Land senken muss und Bildung einen viel höheren Stellenwert bekommen sollte und für jeden zugänglich sein sollte.

Fast jeder Ägypter hat einen Hochschulabschluss – der jedoch auf internationaler, ja sogar auf nationaler, Ebene keinen wirklichen Wert hat.

Ich durfte am eigenen Leib erfahren, wie man an „anerkannten Universitäten“ in Kairo mit längst überholtem Unterrichtsmaterial arbeitete, mit 80 Menschen in Räumen saß, die höchstens auf 20 ausgelegt waren und die vermittelte „Bildung“ sich dem jeweiligen Stadtteil anpasste.

Es kann nicht sein, dass klimatisierte Touristenbusse mit HighTech-Ausstattung durch Teile Kairos fahren, wo sich Menschen nachts die Hände an einer Feuertonne wärmen und wiederum andere Ägypter eine Villa besitzen, die einem (mindestens) 8-Familienhaus gleicht und eine eigene Moschee im Garten stehen hat.

Eine gerechtere Verteilung der Finanzen muss sein und eine gerechte Politik, zumindest augenscheinlich unter dem Deckmantel der Demokratie – so wie hier in Deutschland – ist notwendig, um eine Umstrukturierung des politischen Systems in Ägypten möglich zu machen.

Seit Beginn der Revolution schwirrt mir dabei allerdings bereits der Gedanke im Kopf herum, ob Ägypten wirklich schon zu einem „Demokratieverständnis“, wie wir es kennen, in der Lage ist.

Ägypten ist ein dritte Welt Land. Ägypten hat eine sehr hohe Analphabetenrate, ein schlechtes, bzw. kaum vorhandenes Sozialsystem und eine daraus resultierende, weit verbreitete Armut in vielen Teilen der Bevölkerung.

Die Proteste spiegelten die Unzufriedenheit des Volkes wider – die Umsetzung allerdings eher, dass Ägypten noch lange nicht bereit für „unsere Art“ von Demokratie ist.

Der Tahrir Platz wurde zwischenzeitlich zu einer Art „Kriegsgebiet auf unterstem Niveau“.

Wer sich mit Steinen und Stöcken bewirft, Kulturerbe mutwillig zerstört, plündert und Anarchie auf den Straßen verbreitet, hat das Prinzip noch nicht verstanden – was um so deutlicher machen sollte, dass Ägypten – und aktuell rückblickend eigentlich die meisten arabischen Staaten – noch weit, weit weg von dem Gedanken an „westliche Demokratie“ sind.

Der Grundstein zur Veränderung wurde am 25ten Januar 2011 in Kairo gelegt. Bis zur wirklichen Verbesserung und klar erkennbaren Erfolgen ist es jedoch noch ein langer, harter Weg und das nun übergangsweise verwaltende Militärregime zeigt, dass die Wurzeln des alten Systems immer noch sehr tief sitzen und dass es nicht einfach sein wird, da heraus zu kommen.

Hätte Tunesien nicht den Anfang gemacht, wäre es auch in Ägypten vermutlich noch jahrelang so weiter gegangen und ob all die Korruption, die Arbeitslosigkeit, die Armut und der allgemeine Unmut über die Gesamtsituation nun ein Ende hat, wage ich, entgegen so mancher Meinung einiger Freunde, zu bezweifeln.

 

Hosny Mubarak ist nicht verantwortlich für alles Negative in diesem Land.

Hosny Mubarak hat durchaus auch positive Dinge geleistet, vor allem außenpolitisch – jedoch wird man mit zunehmendem Alter nun mal verwirrter, langsamer und routinierter – jeder, der sich schon mal mit älteren Menschen in irgendeiner Form beschäftigt hat, wird das bestätigen können. Einem alten Menschen bringt man so schnell nichts neues mehr bei. Alte Menschen klammern sich an alte Vorstellungen, die man ihnen kaum mehr austreiben kann.

Hosny Mubarak war sein Leben lang „im Dienste Ägyptens“. Sei es in der Armee – weshalb ich zuvor die „tiefen Wurzeln“ des alten Systems“ erwähnte – oder in seiner 30jährigen Amtszeit als Staatsoberhaupt.

1979 schloss Ägypten als erster, arabischer Staat einen Friedensvertrag mit Israel, welchem 1994 ebenfalls der jordanisch-israelische Friedensvertrag folgte und Hosny Mubarak positionierte Ägypten somit als strategisch wichtigstes Land im Nahen Osten und als „Pufferzone“ zwischen dem Westen und dem fundamentalistischen Islamismus.

Auch die Wiederaufnahme Ägyptens in die arabische Liga 1989 geht auf Mubaraks Konto.

Indem er „Demokratie“ und „Pluralismus“ als Ziele seiner Regierung definierte, gelang es ihm die islamistische Bewegung unter Kontrolle zu halten – jedoch hätte er sich, das Volk betreffend, vorher über die Bedeutung des Begriffs „Demokratie“ Gedanken machen sollen…

Seine Politik wurde massgebend von den USA und auch Israel unterstützt und begrüßt – was ihn bei seinem eigenen Volke nicht unbedingt beliebter machte. Dennoch denke ich, dass Hosny Mubarak sich dabei etwas gedacht hat und so bekam er außenpolitisch durch diese Art „Hintertürchen-Politik“ im Westen eine viel größere Anerkennung, welche sich finanziell rentierte – nur leider auf dem falschen Bankkonto.

Es kam zum Sturz, es kam zur militärischen Übergangsregierung (denn: Die Armee ist unser Freund. Die Soldaten sind unsere Brüder) und es kam zu erneuten Protesten, diesmal gegen die neue Übergangsregierung.

Der sagenumwobene Notstandsgesetz, welches alle durch die Verfassung garantierten Grundrechte außer Kraft setzt, wurde NICHT ausgesetzt, es kam zu enormen Differenzen und Ausschreitungen zwischen Muslimen und Kopten, der Hass auf Israel wurde gepusht und der nun fast Scheintote Ex-Präsident wurde im Krankenbett und hinter Gittern zum Prozess gerollt.

Zwar wurden die meisten Regierungsämter ausgetauscht und (wie so oft auf dieser Welt) wurden eine Menge positiver Versprechungen gemacht – doch die einzig wirkliche Veränderung, die ich sehe, ist, dass nun aus einem korrupten Polizeiregime ein ebenso korruptes Militärregime geworden ist und Ägypten sich noch immer in einem Zustand befindet, wobei eigentlich niemand so genau weiss, in welche Richtung es sich entwickeln wird.

Es bleibt zu hoffen, dass die auf Ende des Jahres gelegten Termine zur neuen Präsidentschaftswahl bestehen bleiben und man zu einer Einigung kommt, die der Stimme der Mehrheit entspricht – so wie es demokratisch verstanden werden soll.

 

Als letztes liegt mir noch am Herzen, dass das ägyptische Volk mein persönliches Ansehen auf jeden Fall weiterhin verdient – denn auch wenn es zu mittelalterlichen Stock- und Steinkämpfen kam und auch hier die Hass-Propaganda extrem durchsickerte – ein derartiges Massaker wie in Libyen gab es – Gott sei Dank – nicht und selbst wenn der alte Mann letztlich doch zum Tode verurteilt wird, so hat er dennoch einen Prozess bekommen und konnte immerhin noch selbst etwas dazu sagen.

Eine Revolution und erst recht ein Bürgerkrieg fordert immer Opfer. Die Leidtragenden sind meist am Ende immer die Angehörigen und Freunde. Aber sie sind in Ägypten -inshaAllah- für eine gute Sache gestorben und haben ein Zeichen in der arabischen Geschichte gesetzt – OHNE westliche Intervention! OHNE Bombenangriffe der NATO und OHNE aus den Augen zu verlieren, dass sie immer noch ein Volk sind, welches so manch anderem arabischen Land hinsichtlich „zivilsiertem Verhalten“ und Rechtsverständnis um Längen voraus eilt.

 
 

Ägypten im Wandel – Ein Land, das hoffentlich bald wieder Zufriedenheit finden wird und die Früchte seiner Revolution ernten kann.

 
 
 
 

Update 25.11.2011

Seit nun mehr einer Woche ist die „zweite Welle“ der ägyptischen Revolution in vollem Gange.

Die Ägypter mussten nach dem Rücktritt Hosny Mubaraks erkennen, dass sich festgesetzte, alte „Traditionen“ nicht so einfach loslösen lassen und dass die Wurzeln des alten Regimes viel tiefer sitzen, als erwartet.

Erneut kam es zu Ausschreitungen, Verletzten und Toten und auch nach Rücktritt des Kabinetts unter Esam Sharaf hielten die Proteste an.

„Präsident Tahrir“ versetzt nun erneut manche in Angst und Schrecken, andere in höchste Motivation und gibt einigen wiederholt Hoffnung auf ein positives Ende.

Für Diskussions- und Spekulationsstoff sorgen diese aktuelle Ereignisse selbstverständlich auch in westlichen Ländern – wobei man Äußerungen wie: „Große Besorgnis seitens USA und EU um Entwicklung Ägyptens und die exzessive Gewalt, mit der Gegen die Bevölkerung vorgegangen werde“ (Focus online 25.11.2011) wohl am besten einfach ignoriert.

Wie bereits oben erwähnt, eine Revolution fordert immer Opfer. Die Menschen in Ägypten hatten sich Besserung vom Militär versprochen und bekamen eine Übergangsregierung, welche zwar viele Versprechungen machte, jedoch im Endeffekt gleichzusetzen mit dem Mubarak-Regime war – und aufgrund des giten Gelingens beim letzten Versuch, gehen sie derzeit erneut auf die Straße und wehren sich gegen den Stillstand der versprochenen Neuerungen.

 

Ich führte vor einigen Tagen eine Diskussion mit einem ägyptischen Freund und versuchte ihn davon zu überzeugen, dass Gewalt keine Lösung ist und dass Ägypten am Beispiel Libyens und vermutlich bald Syriens „wachsam“ sein müsse, um eventuelle Interventionen auch in ihrem Land zu vermeiden.

Er lachte und widersetzte mir eindeutig, dass Ägypten sich niemals von außen beeinflussen lassen würde, oder gar dulden würde, dass sich andere Länder in ägyptische Angelegenheiten einmischten.

Ich bewundere immer wieder aufs Neue diese emotionsstarke Mentalität der Ägypter.

Sie sind so sehr von sich überzeugt und wenn sie etwas durchsetzen wollen, dann geben sie alles dafür – wirklich alles.

Sie glauben daran, dass sie das Militär genauso zum Rückzug zwingen können, wie es bei Mubarak vonstatten ging.

Dieser Erfolg hat ihnen soviel Motivation gegeben, als dass sie sich unbesiegbar fühlen und immer und immer wieder für ihre Rechte kämpfen würden.

Auch wenn sie ihr Ziel längst nicht erreicht haben und noch einen weiten, steinigen Weg vor sich haben – so macht es mich unsagbar traurig, wenn ich Zeilen wie „Die EU und die USA erhöhten den Druck auf das Militär und verlangten, die Macht müsse so schnell wie möglich an eine zivile Regierung zu übergeben werden. (http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/aegypten-demonstranten-fordern-ruecktritt-des-militaerrats-_aid_688033.html)“ lese, oder eben besagte „Besorgnis über die Entwicklung Ägyptens“ von westlicher Seite geäußert wird.

Nicht, weil ich Gewalt gegenüber Demonstranten als positiv darstellen möchte, sondern weil jeder von uns mittlerweile realisiert haben sollte, was durch die „Einmischung in fremde Angelegenheiten“, gerade in die von arabischen Ländern, im Endeffekt verursacht hat und ich nicht möchte, dass man den Ägyptern ihren Stolz, ihre Motivation für etwas einzustehen und ihr neues Gefühl von „Stärke und Einheit“ durch unsinniges und rein auf eigenem Interesse basierendes intervenieren von westlicher Seite wieder nimmt.

Ägypten hat sich allein von Mubarak befreit und Ägypten wird sich allein durch den verwurzelten Dschungel seines Regimes kämpfen und letztlich auch allein und im Sinne des Volkes einigen.

Es gibt keinen Bericht – zumindest keinen, der mir bekannt ist – wo die ägyptische Bevölkerung in irgendeiner Weise Hilfe von außen erbeten hätte. Es gibt keine Berichterstattung – zumindest nicht in meinen Recherchen – in denen das ägyptische Volk in irgendeiner Weise von Kapitulation spricht und den Westen zu Statements oder Handlungen aufgerufen hätte.

Ägypter sind stolz und Ägypter sind stark – das haben sie unter Beweis gestellt und auch wenn ihr Land wirtschaftlichen Schaden erlitt und die Revolution viele Opfer an „beiden Fronten“ forderte, so hat sich dennoch niemand dazu bereit erklärt, seine Ziele zurückzustecken und stattdessen auf ausländische Unterstützung zu warten.

In diesem Sinne: Ägypten braucht keine westliche „Kriegspropaganda“ und darf weder mit Libyen noch Syrien gleichgesetzt werden!

 
 
 

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